Was halten Sie vor dem ersten Hammerschlag fest?
Der teuerste Moment einer Renovierung ist die Diskussion im Nachhinein darüber, wer den Kratzer gemacht hat. Diese Diskussion gewinnen Sie nicht mit einem guten Gedächtnis, sondern mit einer Dokumentation – und die kostet Sie eine halbe Stunde, bevor jemand das Haus betritt.
Machen Sie eine Fotodokumentation des vorhandenen Bodens
Fotografieren Sie jeden Raum vor Beginn, einschließlich der bestehenden Schäden. Nehmen Sie den Boden je Raum auf, dazu Nahaufnahmen von Stellen, die schon vorher nicht perfekt waren: eine vorhandene Delle an der Tür, eine Verfärbung am Fenster. Achten Sie darauf, dass das Datum in den Dateidaten steht. Ohne Nullaufnahme ist jeder Schaden im Nachhinein strittig – auch der, der schon da war.
Halten Sie schriftlich fest, wer was schützt
Die meisten Konflikte entstehen, weil niemand das Thema angesprochen hat. Vereinbaren Sie vor Beginn, wer den Bodenschutz liefert, wer ihn anbringt, wer ihn zwischen zwei Gewerken erneuert und wer ihn am Ende entfernt. Nehmen Sie auch die Laufroute mit auf: Welche Tür nutzen die Handwerker, wo steht das Material, wo wird gesägt. Das gehört ins Angebot oder in die Auftragsbestätigung, nicht in eine Kurznachricht.
Wer haftet für Schäden am Boden?
Das hängt davon ab, was vereinbart wurde und wer den Schaden verursacht. Arbeiten Sie mit einem Bauunternehmen, ist dieses grundsätzlich für Schäden verantwortlich, die seine Leute anrichten – aber nur, wenn nachweisbar ist, dass der Schaden während seiner Arbeit entstanden ist, und genau deshalb zählt die Nullaufnahme. Machen Sie es selbst oder beauftragen Sie einzelne Gewerke, verschiebt sich die Verantwortung zu Ihnen als Auftraggeber. Prüfen Sie zudem, ob Ihre Gebäude- oder Hausratversicherung Renovierungsschäden abdeckt: Viele Policen schließen Schäden während Bauarbeiten aus oder stellen Bedingungen. Wir sind kein Rechtsberater, lassen Sie eine größere Maßnahme an diesem Punkt also von Ihrem Versicherer oder Berater prüfen – halten Sie die Absprachen aber in jedem Fall schriftlich fest.
Prüfen Sie die Regeln Ihrer Eigentümergemeinschaft oder Ihres Vermieters
Bei einer Eigentumswohnung gelten oft zusätzliche Auflagen: Schutz von Treppenhaus und Flur, Arbeitszeiten, Nutzung des Aufzugs und mitunter ein vorgeschriebener Trittschallschutz bei Hartbodenbelägen. Fragen Sie das ab, bevor das Material geliefert wird. Schäden im Treppenhaus werden von der Eigentümergemeinschaft beim Bewohner geltend gemacht, der die Arbeiten beauftragt hat – unabhängig davon, wer dort genau gelaufen ist.
Bodenschutz je Bauphase
Jede Phase einer Renovierung bringt ein anderes Risiko mit sich und damit eine andere Maßnahme. Die folgende Tabelle nennt je Phase das größte Risiko und den passenden Schutz. Wollen Sie zuerst wissen, was die Unterschiede zwischen Karton, Filz, Vlies und Folie genau bedeuten, lesen Sie unseren Ratgeber welcher Bodenschutz die beste Wahl ist.
| Bauphase | Größtes Risiko für den Boden | Maßnahme | Material |
|---|---|---|---|
| Abbruch und Stemmarbeiten | Schutt, Scherben und fallendes Werkzeug; Punktlast durch Schubkarren | Schwere, lastverteilende Lage auf der gesamten Abtransportroute | Kartonbahn, doppelt auf der Schubkarrenroute |
| Rohbau und Installation | Bohrstaub, Metallspäne und Ölflecken vom Werkzeug | Saugfähige, öl- und fettbeständige Bahn; täglich kehren | Vliesbahn auf der Laufroute |
| Putz-, Nivellier- und Spritzarbeiten | Große Wassermengen und Gips; Nähte, die aufgehen | Feuchtigkeitssperre über die volle Breite, darauf eine saugfähige Laufroute | Baufolie als Unterlage, Vlies darüber |
| Ausbau, Tischlerei und Küchenmontage | Schieben schwerer Schränke und Geräte; Sägemehl unter dem Schutz | Schutz gerade jetzt erneuern; Unterlagen beim Kippen von Schränken | Filzbahn, Handtuch unter dem Sägetisch |
| Malerarbeiten | Tropfen und Spritznebel; sich aufrollende Ränder an der Sockelleiste | Rutschhemmende Bahn, die liegen bleibt; Leisten und Ränder separat abkleben | Filzbahn mit PE-Beschichtung, Malerband |
| Abnahme und Endreinigung | Die letzten Schleif- und Laufschäden, nachdem der Schutz raus ist | Schutz erst entfernen, wenn die letzte schwere Arbeit erledigt ist | Selbstklebende Folie auf der Laufroute bis zur Schlüsselübergabe |
Abbruchphase: doppelt ist hier nicht übertrieben
Beim Abtransport von Schutt fährt eine Schubkarre mit Hunderten Kilo dutzende Male am Tag über denselben Meter Boden. Legen Sie auf dieser Route eine zweite Lage Bodenschutz. Sichern Sie auch die Kanten von Türzargen und Wänden mit Eckprofilen: Der meiste Abbruchschaden sitzt nicht im Boden, sondern in der Ecke, an der die Schubkarre entlangschrammt.
Rohbau und Installation: achten Sie darauf, was tropft
Installateure und Elektriker bringen Öl, Bohrfett und Kühlflüssigkeit mit. Das sind Flecken, die in einen porösen Boden ziehen und nicht mehr herausgehen. Eine saugfähige Vliesbahn wie das Cover-it® Super ist hier wichtiger als Dicke, gerade weil es Öl und Fett bindet statt zu verschmieren. Kehren Sie zudem täglich: Bohrstaub, der unter eine Bahn rutscht, schleift bei jedem Schritt.
Putz- und Nivellierarbeiten: zwei Lagen, zwei Funktionen
Das ist die nasseste Phase. Arbeiten Sie mit einer Unterlage aus Baufolie, die die Feuchtigkeit zurückhält, und einer saugfähigen Bahn darüber, wo gelaufen wird. Die Folie allein reicht nicht – sie wird spiegelglatt, sobald Wasser darauf steht. Gerade bei zwei Lagen kommt es auf die Überlappung und das Abkleben der Nähte an; wie Sie das angehen, steht Schritt für Schritt in Bodenschutz richtig verlegen.
Ausbau: die Phase, in der es schiefgeht
Hier liegt das eigentliche Risiko. Der Raum ist sauber, die Arbeit scheint fast fertig, also wird der Schutz entfernt oder nicht erneuert. Gleichzeitig werden gerade jetzt die schwersten und schärfsten Dinge hereingetragen: eine Arbeitsplatte, ein Einbaubackofen, eine Spülmaschine auf der Kante. Erneuern Sie den Schutz zu Beginn der Ausbauphase, statt ihn zu entfernen: eine Filzbahn von 25 Metern deckt die meisten Wohnhausrouten in einer Bahn ab. Nutzen Sie zusätzlich lose Unterlagen unter der Ecke eines Schranks, den Sie kippen, zum Beispiel das Handtuch von 1 x 1 Meter.
Malerarbeiten und Abnahme
In der Malerphase geht es um Tropfen und um Ränder. Eine Bahn, die liegen bleibt, ohne dass Sie sie festkleben müssen, arbeitet sich hier am angenehmsten, ergänzt durch Malerband entlang der Sockelleisten. Entfernen Sie den Schutz erst, wenn auch die Reinigung und der letzte Materialabtransport erledigt sind. Die Versuchung ist groß, den schönen Boden schon zu zeigen – genau dann geht noch jemand mit einer Leiter darüber.
Der Rest des Hauses: wohin der Staub zieht
Baustaub verteilt sich viel weiter, als man erwartet. Ohne Maßnahmen liegt binnen einer Woche ein grauer Film im Schlafzimmer auf der anderen Seite des Hauses. Und dieser Staub ist nicht harmlos: Er enthält Sand und Gipspartikel, die auf jedem Boden, über den jemand läuft, als Schleifmittel wirken.
Laufroute und Haustür
Führen Sie den Schutz über den Arbeitsbereich hinaus: von der Haustür durch den Flur bis in den Arbeitsbereich. Eine kurze Bahn an der Tür genügt nicht, weil sich der Staub an den Sohlen erst zehn Meter weiter löst. Stellen Sie an der Haustür zusätzlich eine Sauberlaufzone oder eine alte Matte auf den Schutz.
Treppe und Flur
Auf einer Treppe richtet loser Schutz mehr Schaden an als Nutzen: Er verrutscht, rollt sich auf und führt zu Stürzen. Verwenden Sie hier selbstklebende Abdeckfolie, die sich fixiert und der Form der Stufe folgt. Vergessen Sie den Handlauf nicht – der bekommt beim Hochtragen von Material genauso viel ab wie die Stufen und ist mit einem Streifen Schutzfolie schnell eingepackt.
Staubschutzwände und abgeklebte Türöffnungen
Eine Tür zu schließen hält den Staub nicht auf; der Spalt darunter ist die Autobahn. Verschließen Sie Türöffnungen mit einer Bahn Baufolie von 400 cm Breite, die Sie rundum abkleben, oder legen Sie einen Reißverschlussdurchgang an, wenn hindurchgearbeitet werden muss. Decken Sie in angrenzenden Räumen die Möbel mit Abdeckplanen oder Möbelbezügen ab und nutzen Sie Umzugsdecken für das, was weggestellt wird. Was Sie vorübergehend ausräumen, transportieren Sie am einfachsten in Umzugskartons.
Gemeinschaftsflächen im Mehrfamilienhaus
In einem Mehrfamilienhaus führt die Route auch durch Eingangshalle, Aufzug und Treppenhaus. Schützen Sie die genauso wie Ihre eigene Wohnung. Beim Aufzug bedeutet das Boden und Wände: eine Filzbahn auf dem Boden, Schutzfolie oder Decken gegen die Wandpaneele. Melden Sie die Arbeiten zudem bei der Verwaltung an, damit der Schutz nicht vom Reinigungsdienst entfernt wird.
Bewohnt renovieren
Können Sie während der Renovierung wohnen bleiben?
Meist ja, sofern Sie die Wohnung in Zonen aufteilen. Bestimmen Sie eine staubfreie Zone – in der Regel ein Schlafzimmer und das Bad – die hinter einer verschlossenen Türöffnung bleibt und in die kein Baustellenverkehr kommt. Alle anderen Räume gelten als Arbeitszone mit Schutz. Sorgen Sie dafür, dass die Laufroute der Handwerker nicht durch die staubfreie Zone führt; ist das unvermeidbar, ist ein Auszug während der schwersten Wochen meist günstiger als die Reinigung hinterher.
Kinder, Haustiere und lose Ränder
Ein sich aufrollender Rand ist die häufigste Stolperstelle in einer bewohnten Renovierung. Kontrollieren Sie die Ränder an den Türen täglich und fixieren Sie sie neu. Wählen Sie in einer bewohnten Wohnung lieber Material mit rutschhemmender Unterseite als lose Folie, und nehmen Sie für die Ränder ein Klebeband in einer Signalfarbe: Das markiert sofort, wo der Übergang liegt. Haustiere graben sich zudem gern unter einer losen Bahn hindurch, kleben Sie sie also an allen Seiten zu.
Kosten im Verhältnis
Was kostet Bodenschutz im Vergleich zur Instandsetzung?
Rechnen Sie es auf Quadratmeter um. Eine Rolle Bodenschutz deckt die Laufroute einer durchschnittlichen Renovierung für einen Betrag in der Größenordnung von einigen zehn bis gut hundert Euro ab, je nach Material und Fläche. Das Abschleifen und Neuversiegeln eines Holzbodens oder der Austausch einer beschädigten Diele in einem verlegten Boden liegt um ein Vielfaches darüber – ganz abgesehen von den Tagen, an denen der Raum dann nicht nutzbar ist. Das Verhältnis ist selten eine Diskussion wert; der Grund, warum es trotzdem übersprungen wird, ist nicht der Preis, sondern die Planung.
Müssen Sie den Boden schützen, wenn er ohnehin herauskommt?
Oft schon, aus zwei Gründen. Erstens bleibt der Untergrund oder der Estrich meist liegen, und Beschädigungen darin müssen Sie vor dem neuen Boden wieder ausgleichen. Zweitens kommt der alte Boden selten in Woche eins heraus: Bis dahin laufen Sie darüber, und eine gebrochene Fliese oder eine gelockerte Diele macht den Abbruch später nur schwieriger. Kommt der Boden in den ersten Tagen heraus, genügt eine günstige Lage auf der Abtransportroute.
Checkliste für Ihre Renovierung
- Vorab: Fotos des vorhandenen Bodens mit Datum, Absprachen schriftlich, Regeln der Eigentümergemeinschaft oder des Vermieters abgefragt.
- Route: Schutz von der Haustür bis in den Arbeitsbereich, nicht nur im Arbeitsbereich selbst.
- Je Phase: Schutz bei jedem Gewerkewechsel anpassen, nicht sechs Wochen liegen lassen.
- Staub: Türöffnungen verschließen, angrenzende Möbel abdecken, täglich kehren.
- Vertikal: Ecken, Zargen, Handlauf und Aufzugswände mitnehmen, nicht nur den Boden.
- Zum Schluss: Schutz erst nach dem letzten Materialabtransport und der Reinigung entfernen.
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